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8. Das Brigitte-Sauzay-Programm

In enger Zusammenarbeit mit den deutschen und französischen Schulbehörden fördert das Deutsch-Französische Jugendwerk (DFJW) seit dem Jahre 1989 den mittelfristigen individuellen Schüleraustausch zwischen Deutschland und Frankreich. Zielgruppe des Brigitte-Sauzay-Programms sind Schüler der 8. und 9. Klassen, die seit mindestens zwei Jahren Französisch lernen und an einem individuellen Aufenthalt in Frankreich auf Austauschbasis interessiert sind. Die Aufenthaltsdauer der Schüler im Ausland beläuft sich auf mindestens 8 Wochen, maximal 3 Monate. Seit dem Schuljahr 2006/07 wird an unserer Schule und an den französischen Partnerschulen (vorwiegend in Carcassonne) das Brigitte-Sauzay-Programm angeboten, das auf immer größeres Interesse der Schüler stößt. Wagten im Anfangsjahr nur vier mutige Schülerinnen und Schüler, an diesem Austauschprogramm teilzunehmen, so konnten wir im Schuljahr 2007/08 bereits elf französische Gastschüler an unserer Schule willkommen heißen. Im Schuljahr 2009/10 nahmen sieben Schüler an diesem Austauschprogramm teil. Die französischen Gastschüler kommen in der Regel nach Pfingsten und bleiben bis Ende Juli, unsere Schüler treten den Gegenbesuch ab Mitte August bis zum Beginn der Allerheiligenferien an. Dieses Programm eröffnet guten, aufgeschlossenen und motivierten Schülern die Gelegenheit, über einen längeren Zeitraum am Familienleben und Alltag einer französischen Familie teilzunehmen und so einen tieferen Einblick in die französische Lebensweise und Kultur zu gewinnen. Ganz zu schweigen von dem persönlichen Nutzen, den ein Auslandsaufenthalt mit sich bringt.

Erfahrungsberichte Schüler:

Mein Abenteuer Austausch begann schon einige Monate vor meiner Abreise. Durch den Französischunterricht habe ich von dem Programm Brigitte Sauzay erfahren und war sofort sehr interessiert. Auf der Seite des deutsch-französischen Jugendwerks schaltete ich eine Annonce und bekam gleich zahlreiche Antworten von Schülern aus ganz Frankreich. Doch eine Antwort war ganz besonders spannend. Ein Mädchen aus LA REUNION fragte, ob ich an einem Austausch interessiert sei.  La Réunion ist ein französisches Übersee-Departement im indischen Ozean westlich von Mauritius. Der Gedanke soweit von zu Hause weg zu sein, ließ mich schon erst mal schlucken. Ich kannte die Insel zuvor nicht und wusste somit nur sehr wenig darüber. Da ich aber schon einige Male in Frankreich war und somit das Land schon kannte, dachte ich mir warum nicht? Ich wollte sowieso nach der Schule mal richtig weit weg – also warum nicht gleich?
Ich chattete dann einige Male mit meiner Austauschpartnerin Emmanuelle   und wir verstanden uns trotz einiger Sprachprobleme sehr gut.  Wir einigten uns dann über die Termine und besprachen alles mit unseren Lehrern.
Ende Mai war es dann soweit. Zusammen mit meiner Mutter und meinem kleinen Bruder fuhr ich zum Münchner Flughafen, um Emmanuelle abzuholen.  Wir waren alle ziemlich aufgeregt, denn wir kannten sie ja nur von Fotos und hatten Angst, sie nicht zu finden. Doch dann stand sie plötzlich vor uns und ich realisierte, dass ich jetzt auf einmal französisch sprechen müsste.  Aber auf der 2-stündigen Heimfahrt hatten wir genug Zeit, um uns daran zu gewöhnen.
Die nächsten neun Wochen  vergingen dann  wie im Flug. Zwischen Schule und Lernen konnte ich ihr doch einiges in meiner Heimat zeigen und sie besser kennen lernen. Insgesamt verstanden wir uns trotz kleinerer Schwierigkeiten – die bei Mädchen wahrscheinlich immer auftreten – gut, was mir den Abschied von zu Hause einige Zeit später viel leichter machte.
Denn in den Sommerferien wurde es dann auch für mich ernst, am 22.August 2008 flog ich ganz allein nach La Réunion! Allein der Flug war eine große Herausforderung für mich, da ich noch nicht oft geflogen bin und schon gar nicht alleine. Zuerst musste ich von München nach Paris fliegen, dort den Flughafen wechseln und dann ca. elf Stunden weiter nach La Réunion. Dort kam ich gegen Mittag an und während ich am Gepäckband auf meinen Koffer wartete, wurde ich immer nervöser. Ich wollte am liebsten wieder ins Flugzeug steigen und zurück nach München fliegen.
Meine Austauschpartnerin empfing mich herzlich,  nahm mein Gepäck und zog mich quer durch den Mini-Flughafen raus auf den Parkplatz, wo die Mutter auf uns wartete. Dort gab es erst mal Küsschen rechts, Küsschen links und dann fuhren wir auch schon los. Ich war sofort von der Natur fasziniert und konnte meinen Blick gar nicht vom Meer und den Felsschluchten lassen. Doch als mir meine Gastmutter  sagte,  wir würden gerade über die gefährlichste Autobahn Frankreichs fahren, wurde mir ein wenig mulmig zu Mute. Als wir zu Hause waren,  konnte ich alles inspizieren und mich kurz ausruhen, denn schon am ersten Wochenende fuhren wir in einen der drei Talkessel  Réunions, der ein beliebtes Ziel bei Touristen ist. Es handelte sich um einen Betriebsausflug der Firma,  in der die Mutter arbeitet.  Nach der abenteuerlichen Anreise durch viele Kurven und vorbei an tiefen Abgründen,  musste ich erst mal ungefähr 100 Personen mit Küsschen begrüßen, obwohl ich sie gar nicht kannte. Das war mir am Anfang meines Aufenthaltes wirklich sehr unangenehm, doch mit der Zeit wusste ich es immer  mehr zu schätzen und vermisse es mittlerweile, meine Freunde morgens auf diese Weise zu begrüßen.
Am Abend fand dann ein festliches Diner statt und es wurde viel getanzt. Ich kannte das nicht aus Deutschland, fand es aber sehr schön. Wie ich in den folgenden Wochen feststellte,  ist  das Tanzen auf La Réunion fester Bestandteil eines jeden Festes, von denen ich noch viele erleben  durfte.
Am nächsten Tag gingen wir noch klettern  und fuhren mittags nach Hause. Dort packte mich erstmals das Heimweh, das ich auch in den darauffolgenden Tagen nicht los wurde. Das machte mir am Anfang wirklich sehr zu schaffen. Unser Haus war im Gegensatz zu den meisten Häusern sehr komfortabel und ich habe nichts vermisst. Aber bei einem Spaziergang durch unser Viertel war ich über den Zustand vieler Häuser bzw. Hütten ziemlich geschockt. Manche sind nur aus Wellblech gebaut und überall liegt Müll herum. La Réunion ist zwar schon nahe an europäischen Standards dran, doch gibt es einige Unterschiede, an die sich Europäer erst mal gewöhnen müssen. Gerade am Anfang war es für mich sehr schwer, weil alles so anders war. Mit der Zeit habe ich mich mit allem arrangiert und es war für mich ganz normal, dass ein Badezimmer auch mal draußen vor dem Haus sein kann oder dass in jedem Garten einfach sehr viel Müll liegt.
An meinem ersten Schultag war ich ziemlich aufgeregt. Es waren so viele neue Gesichter und Namen, die ich mir merken musste. Und alle musste ich wieder mit Küsschen begrüßen, das ist mit der Zeit wirklich anstrengend. Die Klasse war sehr nett und die Leute sehr interessiert an mir, was man von einigen Lehren nicht sagen konnte. Am Anfang war die Schule zwar noch ziemlich langweilig, aber mit der Zeit gefiel es mir immer besser, vor allem da die Schule sehr modern und ganz neu war. Manchmal fühlte ich mich ein wenig allein und ich hätte mir noch andere deutsche Schüler in meiner Klasse gewünscht, aber vielleicht konnte ich nur so die vielen Kontakte knüpfen.
Wie bereits erwähnt, fanden während meines Aufenthalts viele Feste statt, die mir sehr gut gefallen haben. Besonders die Feste, bei denen wir mit der Familie meiner Austauschpartnerin zusammen waren. Da tanzt dann wirklich jeder, vom 2-jährigen Kleinkind bis zur 80-jährigen Oma. Mit der Familie hab ich mich allgemein immer sehr gut verstanden, besonders mit meiner Gastmama, die sich liebevoll um mich kümmerte, mich aber auch mit Hausarbeiten in den Alltag mit einbezog. Die abendlichen Gespräche mit ihr in der Küche genoss ich auch sehr.
Mein Aufenthalt war zwar vielleicht nicht so wie ich ihn mir vorgestellt hatte, da ich sehr hohe Erwartungen hatte, doch letztendlich war es eine einzigartige Erfahrung,  die ich nicht missen möchte. Das Finden einer Partnerin oder eines Partners im Internet ist nicht so einfach und sollte gut überlegt sein. Ich war ziemlich schnell bei meiner Entscheidung und habe mir oft überlegt, wie es wohl wäre, eine andere Partnerin zu haben. Wir haben uns zwar gut verstanden, doch waren unsere Interessen ziemlich verschieden. Manchmal wurde das zu einem Problem, es konnte aber auch sehr interessant sein. Man lernt dann ganz andere Bereiche kennen, die man so nicht kennengelernt hätte. Also alles hat seine Vor- und Nachteile. Ich hoffe,  ich kann eines Tages trotz der hohen Flugkosten noch einmal nach La Réunion zurück kommen.

(Pauline Schwarz)

Zuletzt aktualisiert am Freitag, 26. August 2011 19:21

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