Am Montagmorgen, kurz vor neun Uhr, tauschte ein Teil der Q13 das Klassenzimmer gegen den Zuschauerraum des Amtsgerichts. Statt trockenen Beispielfällen auf Papier standen an diesem Vormittag echte Verhandlungen auf dem Programm. Schon beim Blick auf den Sitzungsaushang wurde vielen bewusst, dass sich hinter den nüchternen Begriffen reale Geschichten und Entscheidungen verbergen. Der erste angesetzte Fall endete schneller als erwartet. Es handelte sich um ein Verfahren im Rahmen eines Einspruchs gegen die erhobenen Vorwürfe. Da der Angeklagte nicht erschien und die Verteidigung keine Vollmacht vorlegen konnte, durfte ohne seine Anwesenheit nicht verhandelt werden. Das Verfahren wurde beendet. Für die Schülerinnen und Schüler war dies eine erste Erkenntnis: Vor Gericht entscheiden nicht nur Aussagen, sondern auch formale Regeln und Zuständigkeiten. Deutlich eindrücklicher war das zweite Verfahren, in dem es um den Vorwurf der Nachstellung ging. Der Angeklagte schilderte ausführlich seine eigene Sicht der Ereignisse und wich konkreten Fragen immer wieder aus. Stattdessen sprach er über seine Kampfsporttätigkeit, seinen Glauben und seine guten Absichten, was im Zuschauerraum für leises Staunen sorgte. Da die Zeugin nicht zur Verhandlung erschien, wurde das Verfahren schließlich eingestellt. Die mahnenden Worte des Richters machten dennoch deutlich, dass ein solches Ende nicht automatisch jede Verantwortung aufhebt – eine Erkenntnis, die viele Schülerinnen und Schüler nachdenklich mitnahmen. Im dritten Fall ging es um Körperverletzung. Auch hier erschien eine zentrale beteiligte Person nicht, weshalb die Verhandlung vertagt werden musste. Dennoch hinterließen die Aussagen des Angeklagten einen bleibenden Eindruck und zeigten, wie schnell Konflikte eskalieren können. Zum Abschluss nahm sich der Richter Zeit, um die zahlreichen Fragen der Schülerinnen und Schüler zu beantworten. Der Vorsitz in den verhandelten Fällen lag bei Richter Demmelhuber, der offen über den Alltag im Gerichtssaal, den Weg in den Richterberuf und die Verantwortung sprach, die mit jeder Entscheidung verbunden ist. Gegen halb eins endete der Besuch. Zurück blieb eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern, die nicht nur einen Vormittag außerhalb des Klassenzimmers verbracht hatte, sondern Rechtsprechung einmal aus nächster Nähe erleben konnte – sachlich, eindrucksvoll und überraschend menschlich.
Alexander Parstorfer und Benjamin Brandl
