Pfeifen, Wind und viel Handwerk – eine Entdeckungsreise zur Orgel St. Georg Gern

Das Innenleben einer Orgel haben vermutlich noch nicht viele Menschen zu Gesicht bekommen – die Schülerinnen und Schüler des W-Seminars „Physik und Musik“ schon! Auf Initiative ihrer Seminarleiterin Andrea Renner durften sie unter fachkundiger Leitung von Herrn Armin Vogl aus Osterhofen die Orgel in St. Georg in Gern erkunden. Der gelernte Orgelbauer hatte in den Wochen zuvor die Orgel gereinigt, defekte Teile ersetzt und das Instrument wieder neu gestimmt. Für das W-Seminar kam er eigens noch einmal nach Gern und öffnete die Seitenabdeckungen des Instruments, so dass man von allen Seiten die 728 Pfeifen, zugehörigen Windladen und Registerschleifen betrachten konnte. Fasziniert konnten alle verfolgen, wie das Drücken einer Taste auf dem Manual zum Ton an der entsprechenden Pfeife führte – oder auch an vielen gleichzeitig, wenn mehrere Register gezogen wurden.

Überrascht waren alle davon, dass nicht die Intensität des Luftstroms an der Pfeife über die höhere Lautstärke des Tons entscheidet, sondern lediglich die Anzahl und Art der gezogenen Register. Dann entdeckten die Jugendlichen an der Öffnung der Metallpfeifen etwas, was wie der aufgerollte Deckel einer Fischdose aussieht – die Stimmrolle. Gestimmt werden die Labialpfeifen, indem man die Stimmrolle auf- oder zudreht, so als ob man den Dosendeckel schließt oder weiter öffnet. So einfach, wie sich das zunächst anhört, ist das korrekte Stimmen leider nicht! Die kleinsten Pfeifen sind nur wenige Zentimeter groß, sie müssen über die Änderung des Öffnungswinkels gestimmt werden, die großen hölzernen Subbass-Pfeifen über die Höhe bis zur Abdeckung der Pfeife. Letztere sind übrigens mit 2,50m Länge die größten Pfeifen der Gerner Orgel, ohne den „Trick“ mit dem Deckel auf der Pfeife müssten sie sogar doppelt so hoch gebaut werden.

Nach einer weihnachtlichen Orgel-Darbietung von Anna Chmielewski (und weiteren eher weltlichen Variationen anderer Teilnehmer) gab Herr Vogl noch einen begeisternden Überblick über die vielseitige Ausbildung eines Orgelbauers, die von der Holz- über die Metallbearbeitung bis hin zur Mechanik und Elektronik äußerst vielseitig ist. Leider erscheinen die Zukunftsaussichten für seinen Berufszweig angesichts immer weniger frequentierter Kirchen und damit genutzter Orgeln nicht wirklich rosig.

Herzlichen Dank an Herrn Armin Vogl für diese schöne und informative Stunde, die uns perfekt auf die Weihnachtstage einstimmte und das Kalenderjahr passend beschloss!

Andrea Renner im Namen des W-Seminars „Physik und Musik“

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